Archiv der Kategorie: Arbeiterdichtung

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Die Bergwerkkapelle-Ost begleitete zur Überraschung der vielen Gäste die Eröffnungsveranstaltung in der schönen Eingangshalle des Landeshauses des LWL am Montag, den 26. August um 11 Uhr mit voller Blasmusik und brachte einen lautstarken Gruß aus dem Ruhrgebiet nach Münster. Herr Löb, Direktor des LWL, hielt eine weit ausgreifende Rede über Integration, Migration, Kultur und die Geschichte NRW’s; Viktoria Waltz gab einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Ausstellung und würzte sie mit vielen kleinen Anekdoten, die die Gäste schmunzeln ließen. Zu Gast war auch Frau Kugler-Mülhofer vom Industriemuseum Zollern aus Dortmund – sie brachte Geschenke mit: Ein echtes „Bergmanns-Handtuch“ mit einer Plakette, die das Datum der Ankunft unserer Protagonisten, den 24.11.1964, aufgedruckt hatte. Hasan Demirci, Halit Güner und Bekir Sarikaya nahmen diese auch für die anderen nicht anwesenden „Jungs“ von damals mit große Freude in Empfang.

Dann gab es noch einen besonderen Gast: Hans Jürgen Meier kam extra aus Niedersachsen auf Einladung von Halit Güner. Er war damals, als Halit in der Lehrzeche anfing, sein „Begrüßungspate“, ein Lehrling aus dem zweiten Lehrjahr, der sich um die „Neuen“ kümmern sollte. So konnte er Halit damals beruhigen und helfen: alle hatten ein Butterbrotpaket für die erste Pause mitbekommen – aber wo war das Butterbrot von Halit? Er hatte es, unwissend, in der Kaue gelassen und es hing mit seinen Kleidern an der Kette unter der Decke. „Kein Problem“,  Hans Jürgen ging mit ihm zurück, damit auch Halit etwas gegen den großen Hunger tun konnte.

Artikel zur Eröffnung „Glückauf in Deutschland“ im LWL Landeshaus finden Sie unter:

Hier ein paar Eindrücke:

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lilawe – Literaturland Westfalen: ViF war zur Eröffnung mit Gedichten aus unserem Archiv dabei

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ViF war dabei, beim Festivalauftakt auf Burg Hülshoff

Sa 26. August um 14:30 Uhr in der Schlosskapelle

„Hier! geht’s los! Dass Westfalen ein starkes Literaturland ist, wurde bereits beim Festivalauftakt eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Vor der wunderschönen Kulisse des Geburtsortes Annette von Droste-Hülshoffs durften sich die Besucher bei freiem Eintritt auf ein hochkarätiges Programm freuen, das nicht nur thematisch eine große Brandbreite von ernst bis heiter abbildet, sondern auch eine große Genrevielfalt widerspiegelt….“

Neben vielen bekannten Künstlern der Region nahm auch ViF mit dem Fritz Hüser Institut am Geschehen teil:

Hanneliese Palm vom Fritz-Hüser-Institut, präsentierte „die Schätze migrantischer Arbeitsliteratur“, wie es in der Ankündigung hieß. Darunter waren Gedichte aus dem Band zum 80ten Geburtstag von Ismet KoŞan, unserem langjährigen und ersten Vorsitzenden von 1987! Weitere Dichtungen kamen aus ViF’s Beitrag zum Projekt „Nordstadtbilder“ von 1989 unter dem Titel: „Heimat in der Fremde“, und daraus das Gedicht „Amilcare“ von Pasquale Marino aus der Dortmunder Nordstadt.

Die Botschaft war klar: Der Schatz muss gehoben werden, und die Stimme unserer Migranten und Migrantinnen der ersten Stunde müssen Gehör finden. Ihre Erinnerungen, ihre Stellungnahmen sind ein aufschlussreicher Beitrag zur Migrationsgeschichte unseres Landes!

„Die wahren Beweggründe für dieses Niederschreiben sind die inneren Empfindungen, die in dieser Zeit der Migration ihn mit voller Wucht trafen und ihn, den Betroffenen zwangen, diese irgendwie zu äußern“ – so die Einführung in seine Gedichtsammlung.

 

Ismet Koşan – Artbeiterdichter 80 Jahre! Vor 30 Jahren erster Vorsitzender des Vereins

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Ismet und der Verein für Internationale Freundschaften, das ist nicht zu trennen. Zu seinem Jubiläum haben wir ein kleines Büchlein mit seinen Gedichten erstellt. Es wird in das Archiv des Fritz-Hüser-Instituts für Arbeiterkultur aufgenommen werden.

imsetbiuch

Eine ViF-Broschüre 2016/17, gefördert durch den VMDO

ISMET KOşAN  –   EIN LEBEN „ZWISCHEN LYRIK UND PROSA“

Ismet Koşan hat keine Hochschule besucht, nur wenig Jahre in der Grundschule in der Türkei. Er wuchs in dem kurdischen Dorf Şampaşa, Region Erzincan auf, das durch das Militär zerstört wurde. Den Kindern ermöglichten er und seine Frau das Studium.

Die Landwirtschaft seines Vaters reichte nicht, er folgte 1963 seinem Bruder nach Europa, zunächst nach Belgien. Ihm war damals nicht klar, was ihn erwarten würde: schwerste Arbeit unter Tage im Kohlenstaub. Schließlich brachte er seine Familie nach Dortmund und fand eine Stelle bei Hoesch in Dortmund an der Dünnblechwalze. 23 Jahre arbeitete Ismet auf der Westfalenhütte, war Vertrauensmann. Er war Aktivist und Gewerkschaftler, gründete die Gruppe „Gelbe Hand“ und ging mit 58 Jahren in die Frühverrentung.

Auch danach, um „Nachhaltigkeit“ bemüht, fand er andere Aktivisten aus der Hochschule, den Kreisen der Gewerkschaft und der Antirassismusbewegung für Zukunftsaufgaben. Gemeinsam gründeten sie 1987 den ViF um kulturelle und politische Beständigkeit und einen Treff punkt zur Beratung und zur politischen und sozialen Unterstützung der jetzt „Rentner“ gewordenen Migranten der ersten Stunde, den „Gastarbeitern“, zu schaffen.

Er fand in Sandra Alberti die richtige Partnerin und mit vielen anderen begannen sie mit einem Versammlungsraum in der Westhoffstraße beim damaligen DPWV Geschäftsführer Herrn Kroner, der die Idee sympathisch fand, dass sich die Migranten nun selbst organisierten, sich in der Stadt zeigen, einmischten und ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren und zu gestalten begannen.

Die Altenbegnungsstätte in der Flurstraße nahe Borsigplatz wurde schließlich Heimat des Vereins mit seinen vielfältigen Aktivtäten, alles selbst organisiert. Ismet blieb lange Zeit Vorsitzender, fand weitere Partner wie Sofie Olshevska, Hadi Kamişli und immer wieder Sandra Alberti für die Leitung und Weiterentwicklung des Vereins.

Ismet Koşan ist lebendige Migrationsgeschichte, lebende Biografie, ein aktiver Teil der Dortmunder Nachkriegsgeschichte. Er war selbst ein interessierter Beobachter seiner neuen Welt, beschrieb sie, teilte seine Gefühle mit anderen, schrieb sie nieder. Seine Gedichte und Prosatexte sind ein Zeugnis Dortmunder Arbeiterliteratur – Ismet Koşan, Arbeiterdichter

Sein Verein für Internationale Freundschaften möchte seine Texte im Rahmen des Projektes „Spurensuche“ für die Stadt und die Gesellschaft öffentlich machen. Wir möchten ihm mit diesem kleinen Druck für die vielen gemeinsamen Jahre danken.

Und so wurde gefeiert (Fotos Arena Sinek-Sviko, Echo Vielfalt)