Archiv der Kategorie: Arbeiterdichtung

Ismet Koşan – Artbeiterdichter 80 Jahre! Vor 30 Jahren erster Vorsitzender des Vereins

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Ismet und der Verein für Internationale Freundschaften, das ist nicht zu trennen. Zu seinem Jubiläum haben wir ein kleines Büchlein mit seinen Gedichten erstellt. Es wird in das Archiv des Fritz-Hüser-Instituts für Arbeiterkultur aufgenommen werden.

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Eine ViF-Broschüre 2016/17, gefördert durch den VMDO

ISMET KOşAN  –   EIN LEBEN „ZWISCHEN LYRIK UND PROSA“

Ismet Koşan hat keine Hochschule besucht, nur wenig Jahre in der Grundschule in der Türkei. Er wuchs in dem kurdischen Dorf Şampaşa, Region Erzincan auf, das durch das Militär zerstört wurde. Den Kindern ermöglichten er und seine Frau das Studium.

Die Landwirtschaft seines Vaters reichte nicht, er folgte 1963 seinem Bruder nach Europa, zunächst nach Belgien. Ihm war damals nicht klar, was ihn erwarten würde: schwerste Arbeit unter Tage im Kohlenstaub. Schließlich brachte er seine Familie nach Dortmund und fand eine Stelle bei Hoesch in Dortmund an der Dünnblechwalze. 23 Jahre arbeitete Ismet auf der Westfalenhütte, war Vertrauensmann. Er war Aktivist und Gewerkschaftler, gründete die Gruppe „Gelbe Hand“ und ging mit 58 Jahren in die Frühverrentung.

Auch danach, um „Nachhaltigkeit“ bemüht, fand er andere Aktivisten aus der Hochschule, den Kreisen der Gewerkschaft und der Antirassismusbewegung für Zukunftsaufgaben. Gemeinsam gründeten sie 1987 den ViF um kulturelle und politische Beständigkeit und einen Treff punkt zur Beratung und zur politischen und sozialen Unterstützung der jetzt „Rentner“ gewordenen Migranten der ersten Stunde, den „Gastarbeitern“, zu schaffen.

Er fand in Sandra Alberti die richtige Partnerin und mit vielen anderen begannen sie mit einem Versammlungsraum in der Westhoffstraße beim damaligen DPWV Geschäftsführer Herrn Kroner, der die Idee sympathisch fand, dass sich die Migranten nun selbst organisierten, sich in der Stadt zeigen, einmischten und ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren und zu gestalten begannen.

Die Altenbegnungsstätte in der Flurstraße nahe Borsigplatz wurde schließlich Heimat des Vereins mit seinen vielfältigen Aktivtäten, alles selbst organisiert. Ismet blieb lange Zeit Vorsitzender, fand weitere Partner wie Sofie Olshevska, Hadi Kamişli und immer wieder Sandra Alberti für die Leitung und Weiterentwicklung des Vereins.

Ismet Koşan ist lebendige Migrationsgeschichte, lebende Biografie, ein aktiver Teil der Dortmunder Nachkriegsgeschichte. Er war selbst ein interessierter Beobachter seiner neuen Welt, beschrieb sie, teilte seine Gefühle mit anderen, schrieb sie nieder. Seine Gedichte und Prosatexte sind ein Zeugnis Dortmunder Arbeiterliteratur – Ismet Koşan, Arbeiterdichter

Sein Verein für Internationale Freundschaften möchte seine Texte im Rahmen des Projektes „Spurensuche“ für die Stadt und die Gesellschaft öffentlich machen. Wir möchten ihm mit diesem kleinen Druck für die vielen gemeinsamen Jahre danken.

Und so wurde gefeiert (Fotos Arena Sinek-Sviko, Echo Vielfalt)