MIGRATION IN DORTMUND – endlich ein Thema der Stadt!

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Am 7. und 8. Oktober 2016 fand im Stadtarchiv der Stadt Dortmund eine Tagung zur archivischen Verortung der Dortmunder Migrationsgeschichte“ statt. Dem liegt ein Beschluss  zugrunde, dass die Dortmunder Migrationsgeschichte nun endlich in die Dokumentation der Stadtgeschichte eingehen soll und  muss. Eine halbe Wissenschaftsstelle ist dafür vorgesehen. Immerhin! Es stellte sich bei den verschiedenen interessanten Vorträgen nämlich heraus, dass die Dortmunder Einwanderungsgeschichte nach dem 2. Weltkrieg nicht oder nicht ausreichend in den Archiven und Museen vorkommt und kaum systematisch dokumentiert ist. Ein paar Fotos des Stadtarchivs konnten dies nicht deutlicher zeigen. Allein das Museum für Kunst- und Kulturgeschichte MKK Dortmund hat mit  „EVET“ der türkischen Emigrantengemeinde vor einiger Zeit eine Ausstellung zu Brautmoden und Hochzeitsfeiern gewidmet. Städte wie München oder Nürnberg scheinen da schon  weiter zu sein. Nun wird die Dokumentation der Dortmunder Einwanderung nach 1945 auch in Dortmund ein Projekt! Gut so!

tgaung-stadtarchiv-16Es geht ja nicht nur um die Dokumentation für die Stadt. Auch für die Zuwanderer hat die Dokumentation ihres Hierseins, ihrer Wünsche und Träume, ihrer Probleme und Leiden, und vor allem ihr Beitrag zur urbanen Geschichte unserer Region Bedeutung, sozial, kulturell und politisch. „Oral History“, von sich zu erzählen, sich selbst als aktiven Teil der Geschichte zu sehen und zu erkennen, seine Rolle in der Geschichte öffentlich gewürdigt zu sehen, gibt Kraft, Selbstbewusstsein und Selbstvergewisserung. Dieser vielleicht psychologisch wirksame Aspekt ist auch der Wissenschaft inzwischen bekannt und als integraler Teil von Seniorenarbeit, vor allem für des Altwerden in der Fremde anerkannt. Dies machte ein Vortrag von Prof. Uslucan vom Zentrum für Türkeistudien aus Essen deutlich.

Die beiden Ausstellungen des letzten Jahres „Onkel Hasan“ des VMDO und „Glückauf in Deutschland“ des ViF wurden als aktuelle, wichtige Beiträge zur Dortmunder Migratiosgeschichte gewürdigt. Sie belegen, dass auch die Zuwanderer selbst dabei sind, ihr Geschichte zusammenzutragen und öffentlich zu machen. Ohne die aktive Beteiligung der Migranten und Migrantinnen kommt ja auch das Projekt des Staatsarchivs und des Museum für Kunst- und Kulturgeschichte nicht voran. Deshalb wurde  diesem Aspekt in der Diskussion viel Raum gegeben. Es geht dabei um Vertrauen und Wertschätzung – denn wer gibt schon gern seine privaten Dokumente und Fotografien oder gar Objekte wie Brautkleider in eine städtische Einrichtung als Leihgabe zum Beispiel, wenn nicht sicher ist, dass es gut aufbewahrt ist und z.B. auch wieder zurückgenommen werden kann.

Die Tagung diente auch der Vernetzung und dem Knüpfen neuer Kontakte. So wird ViF sich gern auf Initiative von Frau Parussel aus dem MKK an einem Projekt des Kochmuseums beteiligen, sich über Kochen, Gerichte, Feiern und mehr aus den verschiedenen beteiligten Ländern auszutauschen. Es zeigt sich, dass unsere Frauen sehr viel Spass daran hätten.

Glückauf also für das neue Projekt und die Dokumentation der Dortmunder Migrationsgeschichte!

 

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